Übersicht
Während der vergangenen Jahre zeigte der Modellraketenflug unterschiedliche Entwicklungsstufen in Europa. In einigen Ländern wie in Großbritannien wurde viel Fortschrittliches erreicht. In anderen wie Deutschland oder Frankreich war keine sichtbare Entwicklung zu sehen. Und in einigen Regionen in Osteuropa gab es dramatische Umbrüche auf Grund der politischen Situation.
Einige generelle Anmerkungen: es sollte nie vergessen werden, daß Leute unterschiedliche Gründe haben, warum sie Modellraketen fliegen. Es gibt Väter, Söhne und Familien, die zum Spaß fliegen. Wettbewerbsflieger, die sich nicht so viel für Raketen im allgemeinen interessieren, aber Spaß daran haben, gegeneinander anzutreten. Es gibt Leute, die alte Bausätze sammeln oder einfach nur soziale Kontakte suchen. Es gibt die verschiedensten Gruppen: Leute die Sportraketen fliegen, Modellraketen, High-Power Raketen, Amateurraketen und semiprofessionelle Raketen. Manchmal scheint es jedoch schwer zu sein, alle unter einen Hut zu bekommen.
Großbritannien
Seit Estes in den 80er Jahren anfing, Modellraketenartikel nach Großbritannien zu exportieren, kann das Vereinigte Königreich als Vorzeigeland in Europa angesehen werden. Nachdem die Modelle und Motoren in vielen Geschäften von England bis Schottland auftauchten, wurden dutzendweise lokale Vereine gegründet und zusammen haben die Vereine, Einzelpersonen und Händler begonnen, die Gesetze zu ändern. Heute ist es möglich, Standardmotoren an jedermann ab 14 Jahren frei zu verkaufen und sogar große AeroTech-Treibsätze sind ohne größere Bürokratie legal erhältlich.
In den vergangenen Jahren wurden zwei Dachorganisationen gegründet: die United Kingdom Rocketry Association (UKRA) und die etwas ältere British Space Modeling Association (BSMA). Die BSMA konzentriert sich hauptsächlich auf Sportflieger (und ist daher auch die kleinere Organisation), während die UKRA mehr hobbyorientiert arbeitet. Obwohl Großbritannien allgemein als sehr konservativ eingeschätzt wird, haben viele Vereine, Organisationen und Händler eigene Webseiten und die Raketenszene scheint progressiver als im Rest Europas zu sein.
Frankreich
In Frankreich hat Modellraketenbau eine lange Tradition, aber wurde lange nur in kleinen Gruppen gepflegt. Organisationen wie die raumfahrtorientierte ANSTJ hatten kleine Raketengruppen. Einige Versuche, Raketenprodukte zu importieren und damit einer größeren Öffentlichkeit über Händler zugänglich zu machen, schlugen fehl.
Frankreich hat einzelne Modellraketenflieger, die sogar auf Weltmeisterschaften mitmachen, aber wie in Deutschland wurde der Modellraketenflug leider nie sehr populär.
Deutschland
Deutschland hat eine lange Geschichte im Modellraketenbau und die ersten Vereine wurden bereits in den 60er Jahren gegründet. Leider wurde aber auch nie eine richtige Dachorganisation gegründet, um die Entwicklung wirkungsvoll anzutreiben. Viele Jahre lang wurde versucht, das Hobby durch eine Zusammenarbeit mit Raumfahrt-Organisationen oder traditionellen Modellflugvereinen zu fördern. Das war der falsche Weg, weil diese Organisationen nicht wirklich daran interessiert waren, den Modellraketenflug als eigenständiges Interessensgebiet anzuerkennen und zu fördern.
Außerdem fielen einige Versuche, Modellraketenprodukte durch Händler einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Dank wenig Unterstützung durch die Vereine und durch die strengen Gesetze fehl. Im Gegensatz zu den USA oder Großbritannien, wo Einzelpersonen, Händler, Hersteller und Organisationen an einem Strick zogen und das Hobby etablierten, schien es in Deutschland oft so, als alle Beteiligten nicht in der Lage waren, über ihren eigenen Tellerrand hinauszusehen. Nach der deutschen Wiedervereinigung vor einem Jahrzehnt trafen auch zwei verschiedene Welten aufeinander, was nicht immer ohne Folgen blieb. Zum Beispiel wurden kommerzielle Bausätze bei vielen nicht akzeptiert und es fehlte die notwendige Einsicht, daß der Schlüssel, um mehr Leute für dieses Hobby zu interessieren, auch die Verfügbarkeit der Produkte im Handel ist. Für weitere Informationen steht ein spezielles deutsches Faktenblatt zur Verfügung.
Osteuropa
In den vergangenen Jahrzehnten war Modellraketenflug sehr populär in den meisten osteuropäischen Ländern wie die frühere CSSR, Polen, Rußland, früheres Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und anderen. Sportfliegen wurde staatlicherseits als eine Leistungssportklasse unterstützt und es war einfach für einen Klub oder Einzelpersonen, Motoren und Zubehör zu erhalten. Nach den politischen Umwälzungen vor einem Jahrzehnt wurde diese Unterstützung gestoppt und viele frühere Modellraketenflieger haben damals ihr Hobby beendet.
Heute ist der Modellraketenflug weiterhin sehr beliebt in einigen Länder, aber immer noch sehr zentriert auf den Leistungssportbereich. Es ist schwer, im Geschäften Raketenprodukte zu finden und es gibt wenige Hersteller. Noch finden die meisten europäischen Wettbewerbe in Osteuropa statt, aber das Hobby benötigt auch frischen Input von Leuten, die nicht nur am Leistungssport interessiert sind, um es weiter am Leben zu halten.
Zukunftsaussichten
Um mehr Leute für ein Hobby in einer Zeit zu finden, in der viele andere High-Tech-Hobbies verfügbar sind, müssen mehr Raketenprodukte kommerziell in Geschäften und über andere Quellen erhältlich sein. Großbritannien ist ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann. Nach der generellen europäischen Einigung müssen auch die Modellraketenflieger in Europa stärker zusammenarbeiten, um Gesetze zu liberalisieren und europaweite Organisationen zu gründen. Das Internet ist eine hervorragende Change, neue Kommunikationsmöglichkeiten zu finden - aber es liegt an den einzelnen Raketenfliegern, diese neuen Technolgien auch zu nutzen.
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